(Vor-)Urteile und Freisprüche

Angler haben's nicht leicht. Ihr Bild in der Öffentlichkeit entspricht selten der Wahrheit.

Wir haben die (Vor-)Urteile aufgelistet und liefern fundierte Freisprüche für Angler gleich dazu.

(Vor-)Urteil Nr. 1: ANGLER SIND TIERQUÄLER

Freispruch: Millionen Tiere werden täglich von Menschen zu Nahrungszwecken getötet. Zugegeben: Auch Angler töten, wenn sie einen Fisch verwerten wollen (und zwar ungleich schneller und sauberer als die Berufsfischerei). Alle Angler sind geschult, Fische erst zu betäuben und anschließend nach den  gesetzlichen Richtlinien zu töten. Der Vorwurf, dass Angler Tierquäler sind, wird vor diesem Hintergrund absurd, zumal wissenschaftlich umstritten ist, ob Fische überhaupt Schmerzen in unserem Sinne empfinden. Die Maulpartie eines Fisches, mit der er stachlige Beute fängt oder sogar Muscheln knackt, ist so hart, dass er einen Haken kaum spüren dürfte. Dafür spricht auch, dass Fische, die vom Haken abkamen, sofort erneut bissen.

(Vor-)Urteil Nr. 2: ANGLER SIND EINE BEDEUTUNGSLOSE MINDERHEIT

Freispruch: Wir können all jene Politiker, die das glauben und danach handeln, nur warnen! Angler mit ihren wahlberechtigten Familienmitgliedern könnten bei uns mühelos die 5-Prozent-Hürde überspringen, die zum Einzug in den Bundestag genommen werden muss. In den EU-Staaten gibt es nach offiziellen Erhebungen 23 Millionen Angler, was die internationale Popularität des Angelns beweist. Allerdings haben bei uns weitaus kleinere Interessen-Gruppen eine stärkere Lobby bei politischen Entscheidungsträgern.

(Vor-)Urteil Nr. 3: ANGELN GEHÖRT VERBOTEN

Freispruch: Geht nicht, denn Angeln ist vom Gesetzgeber rechtlich zugelassen und in den Landesfischereigesetzen und umfassenden Verordnungen geregelt. Fischereibehörden der Länder beaufsichtigen und kontrollieren das Angeln, das schon aus hegerischen Gründen legal ist. Nahrungserwerb ist sogar im Tierschutzgesetz als legaler, vernünftiger Grund für den Fischfang festgeschrieben.

(Vor-)Urteil Nr. 4: ANGLER ZERTRAMPELN DIE UFERVEGETATION

Freispruch: An ihren Gewässern genießen Angler ein gesetzliches Uferbetretungsrecht, mit dem sie rücksichtsvoll umgehen. So richten die Angler vielerorts Stege und Ansitzplätze ein, um die übrigen Uferpartien zu schonen.

(Vor-)Urteil Nr. 5: ANGLER VERNICHTEN FISCHBESTÄNDE

Freispruch: Völlig falsch. Gesetzlich sind Angler zur Fischhege verpflichtet und wenden jährlich mehr als 50 Millionen Mark für Besatz auf. Sie führen Fangbücher und machen amtlich genehmigte Bestands-Kontrollfischungen. Angler sind an einem nach Menge und Arten reichen Fischbestand interessiert und pflegen ihn (mit hohem finanziellen Aufwand).

(Vor-)Urteil Nr. 6: ANGLER TUN NICHTS FÜR DIE NATUR

Freispruch: Absoluter Schwachsinn! Als vor über 100 Jahren Naturschutz noch ein unbekanntes Wort war, warnten Angler schon vor der Naturzerstörung an Bach und Fluss. Denn Angler sind am unbedingten Erhalt naturbelassener Gewässer schon aus Eigennutz interessiert. Bundesweit arbeiten sie an naturnahem Rückbau der Gewässer, betreiben die Wiedereinbürgerung bedrohter Fischarten. Dazu leisten sie Millionen unbezahlte Arbeitsstunden.

(Vor-)Urteil Nr. 7:  ANGLER STÖREN BRUTVÖGEL

Freispruch: Wer das behauptet, kennt nichts vom Angeln und von Anglern. Wo Vögel wassernah nisten, richten Angler Schutzzonen ein und verzichten während der Brutzeit freiwillig aufs Angeln - so wie sie es auch während der Laichzeit der Fische halten. Angler stören nicht, weil sie sich schon aus Eigeninteresse still verhalten und nicht wie andere Nutzer in lärmenden Massen auftreten.

(Vor-)Urteil Nr. 8:  ANGLER VERMÜLLEN DIE UFER UND GEWÄSSER

Freispruch: Es darf bezweifelt werden, dass Angler zur Vermüllung unseres Landes so viel beitragen wie die nicht angelnden Bürger. Kein Zweifel herrscht aber darüber, dass Angler im Gegensatz zu Nichtanglern an den Gewässern groß angelegte Müllsammelaktionen durchführen. Wer tonnenweise Müll mühsam einsammelt, dessen Bewusstsein für saubere Landschaft (und sauberes Wasser) ist geschärft!

(Vor-)Urteil Nr. 9:

ANGLER HABEN KEINE AHNUNG VOM UMGANG MIT DER NATUR

Freispruch: Falsch. Jeder Angler muss den Fischereischein erwerben, dem eine umfangreiche Prüfung unter Aufsicht der Landesbehörden voraus geht. Allein im Fachbereich Fischkunde müssen 230 Fragen gelernt werden können, bei Naturschutz und Gewässerkunde sind es 122 Fragen, in der Gesetzeskunde immerhin noch 57. Welche Prüfungen machen Naturschützer, um über Angler urteilen zu können?

(Vor-)Urteil Nr. 10: ANGELN IST EIN ARME-LEUTE-SPORT

Freispruch: Von wegen arme Leute. Angeln ist in allen Gesellschafts-Schichten zu Hause. Dazu gehören Königliche Hoheiten genauso wie Staatsmänner und ungezählte Prominente. Global operierende Groß-Konzerne kaufen weltweit Angelrechte an den besten Gewässern für ihre prominenten Gäste. Wer eine Woche Lachsangeln in Norwegen oder Island bucht, gehört sicher nicht zu den Unterprivilegierten.

 (Vor-)Urteil Nr. 11:  ANGELN SCHADET DER ERZIEHUNG

Freispruch: Nein, Angeln fördert sie! Angelnde Kinder zeichnen kein Fischstäbchen, wenn sie einen Fisch malen sollen; angelnde Jugendliche erwerben wichtige Umwelt- und Naturkenntnisse, was sich auch in stark verbesserten Schulnoten in diesem Umfeld bemerkbar macht. Sie lungern nicht in Spielhallen, Kneipen, vor dem Bildschirm oder in Drogen-Treffs herum, sondern bewegen sich in freier Natur an der frischen Luft, lernen das Beachten von Gesetzen und Verordnungen. Fairness und Sozialverhalten in der Gemeinschaft werden für sie selbstverständlich.

(Vor-)Urteil Nr. 12:  ANGELN IST WIRTSCHAFTLICH BEDEUTUNGSLOS

Freispruch: Blödsinn, Angeln ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der BRD. Ein Forschungsbericht ergab 1997, dass allein die 1,4 Millionen amtlich registrierten Angler über 1 Milliarde Mark umsetzten. Hinzuzurechnen sind noch die Umsätze aus  Besatzfischzucht und -verkauf, Vereinsleben, Immobilienkauf, Verwaltung und Presse.

(Vor-)Urteil Nr. 13: ANGLER ZAHLEN NICHTS FÜR DIE NUTZUNG

Freispruch: Völlig falsch. Jedes Bundesland kassiert eine jährliche Fischereiabgabe. Überdies muss jeder Angler pro Angeltag für die Erlaubnis an die Fischereirechtsinhaber zahlen, also vor allem (über die Pacht) in die Kassen der Kommunen.

(Vor-)Urteil Nr. 14: ANGELN IST EINE DEGENERATION DER NEUZEIT

Freispruch: Völlig falsch, denn Angeln hat eine lange Tradition. Norwegische Felszeichnungen in Alta zeugen vom Angeln weit vor der Zeitrechnung. Seit der Erfindung des Buchdrucks gibt es Angelbücher über die tief verwurzelte Leidenschaft, geboren aus dem über Millionen von Jahren erworbenen evolutionären Wissen über Jagd und Fischerei. Angeln ist eine Naturbegabung. Sie zu unterdrücken, hieße sich an der Natur des Menschen zu versündigen!

Verfasser: CWSL im Blinker 05/2001

Empfinden Fische Schmerz oder die Schädlichkeit des anthropomorphen Denkens

In meinem letzten Beitrag hatte ich die Frage gestellt, ob Angeln Tierquälerei ist und einen weiterführenden Artikel in Aussicht gestellt, der genau diese Frage aus neurowissenschaftlicher Sicht betrachtet und diskutiert. Der Originalartikel, auf den ich mich nun stütze, entstammt der Feder von Herrn Prof. J. D. Rose von der Universität in Wyoming (USA), mit dem ich seit einigen Jahren zu diesem Thema in Kontakt stehe. Ich möchte ihm auf diesem Wege noch einmal für das Zurverfügungstellen seines Materials danken.

1. Anthropomorphes Denken (Übertragung menschlicher Eigenschaften auf Nichtmenschliches wie z. B. Tiere) unterminiert das Verständnis unserer Mitgeschöpfe!

Die Entwicklung der verschiedenen Tierspezies hat sich im Verlaufe von Jahrmillionen vollzogen und ist stark mit der Besiedelung neuer Lebensräume gekoppelt. Mit der Eroberung neuer Lebensräume wurden den Organismen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten abverlangt. Dies führte einerseits zu Spezialisierungen und andererseits zu Weiterentwicklungen von Organen wie z. B. dem zentralen Nervensystem (ZNS). Die evolutionäre Entwicklung des ZNS ist bei Fischen, im Gegensatz zum Menschen, auf einer sehr frühen Stufe beendet worden, auch wenn bestimmte Fähigkeiten als Anpassung an den Lebensraum oder den Nahrungserwerb weiter entwickelt wurden.

Um neurophysiologische Unterschiede zwischen Fischen und Menschen verstehen zu können, ist eine evolutionäre Betrachtungsweise der Entwicklung des Gehirns und des Verhaltens der verschiedenen Spezies notwendig. Es besteht beim Menschen jedoch die Tendenz, die evolutionäre

Perspektive bei der Betrachtung unserer Mitgeschöpfe zu verdrängen und über die anthropomorphe Betrachtungsweise mental Tiere mit dem Menschen gleichzusetzen. Man betrachte nur die Vielzahl der „Tierfilme“, in welchen Pferde, Hunde, Delphine, ja selbst Mäuse und Ratten mit menschlichen Gesten agieren und sogar „sprechen“, also sich scheinbar so verhalten, als ob sie „andere Menschen“ wären. Dies sind bewusste Verfälschungen des natürlichen Verhaltens der dargestellten Tierarten. Man suggeriert bereits dem Kleinkind eine vermenschlichte Tierwelt. Diese Tendenz, anderen Lebewesen mentales Bewusstsein zuzuschreiben, wird als „Theory of mind – Bewusstseinstheorie“ bezeichnet und ist, nach Aussage verschiedener Anthropologen, wahrscheinlich die Vorraussetzung dafür, dass wir befähigt sind, uns in die Lage anderer Menschen versetzen zu können, um mit ihnen zu kommunizieren. Diese, nur uns Menschen gegebene Eigenschaft kann wie jede andere menschliche Eigenschaft jedoch auch missbraucht werden. Nicht ohne Grund laufen nach jedem „Free Willy“ o. ä. Filmen den Tierschutzorganisationen scharenweise neue Mitglieder (oder besser gesagt Mitzahler) zu. Liebe Sportfreunde, dieses ist, obgleich vom Stoff her trocken, für uns sehr wichtig, da ein Teil der „Tierschützer“ diese Art der Vermenschlichung von Tieren aus dem Bauch und Gefühl heraus praktizieren, damit argumentieren und dabei selbst wissenschaftliche Argumente vehement ignorieren. Ihre Meinung ist z. B.: Da der Fisch ein „anderer Mensch“ ist, muss er an der Angel zwangsläufig Schmerzen und Leiden erfahren, wie es Menschen erginge, wenn sie am Haken hingen. PETA-Sprecher Harald Ullmann: „Fische krümmen und drehen sich am Angelhaken, weil sie Schmerzen empfinden, nicht, weil sie den Anglern freudig zuwinken. Wenn sie aus dem Wasser gezogen werden, erleben sie einen schrecklichen Todeskampf, ähnlich dem der Menschen, die am Ertrinken sind.“

Die extreme Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns zu nutzen, um anderen Spezies derartige menschliche Eigenschaften zuzusprechen, ist in hohem Maße unangemessen und unzulässig. Das menschliche Gehirn ist sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch vollständig vom Gehirn des Fisches verschieden.

Eines der grundsätzlichsten Gesetze der Neurowissenschaften ist, dass neurophysiologische Reaktionen jedes Organismus (inklusive der Sinne und der psychischen Erfahrungen) immer an bestimmte Strukturen im Nervensystem gekoppelt sind! Sind diese Nervenzentren nicht vorhanden, so kann eine damit gekoppelte neurophysiologische Leistung nicht erbracht werden. Ein Beispiel: Es gibt bei verschiedenen Wirbeltieren unterschiedliche neurologische Verbesserungen oder Anpassungen im Nervensystem (wie z. B. Elektrorezeption, Echoortung), die bei Menschen nicht zu finden sind, weil ihnen eben diese Regionen im ZNS fehlen. Andere Fähigkeiten, wie die des eigenen Bewusstseins und der Sprache, resultieren aus der komplexen Entwicklung und Ausdehnung des menschlichen Großhirns. Das menschliche Gehirn hat, im Gegensatz zum Fisch, im Verlauf der Evolution verschiedene extreme Erweiterungen und „Verbesserungen“ erfahren, während die Entwicklung des Nervensystems der Fische schon früh zum Stillstand kam.

2. Neocortex ist Voraussetzung für das Bewusstsein des eigenen Seins

Die bewusste Erfahrung von Schmerz und emotionalem Stress ist an das Bewusstsein gekoppelt!

Schaltet man dieses Bewusstsein oder die Regionen im Gehirn, die für das Bewusstsein verantwortlich sind, z. B. durch Anästhesie aus, so wird der Schmerz nicht wahrgenommen. Die Antwort, ob Fische Schmerz erfahren, kann deshalb nur in der Hirnstruktur gefunden werden. Obgleich Wirbeltiere Gemeinsamkeiten in der Organisation des ZNS aufweisen, sind große Unterschiede in der Struktur und Komplexität der Gehirne der verschiedensten Arten feststellbar. Ein prinzipieller Unterschied zwischen Säugetieren und anderen Wirbeltieren ist die Ausdehnung und Komplexität des Großhirns. Speziell eine Region des Großhirns, der so genannte Neocortex, ist nur bei den Säugern zu finden. Dieser Neocortex ist bei den Primaten am weitesten entwickelt und für die Sprache, die Langzeitplanung, das abstrakte Denken und auch das Bewusstsein verantwortlich. Der Neocortex ist nur bei den Säugetieren zu finden, er fehlt somit bei den Fischen.

Die bewusste Erfahrung von Schmerz ist deshalb bei Fischen nicht möglich, ihnen fehlen die neuroanatomischen Voraussetzungen. Die Entwicklung der Fische vollzog sich vor ca. 400 Millionen Jahren. Sie sind entwicklungsgeschichtlich sehr alt. Dennoch haben sich die Fische bis zu einem gewissen Grad auch spezialisiert. Sie besitzen Fähigkeiten, die sich von einer Orientierung ohne Licht bis hin zur Elektrorezeption erstrecken. Die Anpassung an verschiedene Lebensräume hat ihnen entwicklungsgeschichtlich große Spezialisierungen abverlangt, die jedoch nicht an eine Entwicklung des Neocortex gekoppelt waren. Fische besitzen auch die Fähigkeit, assoziativ (verknüpfend) zu lernen. Dies bedeutet, dass sie in der Lage sind, auf einen Umweltreiz mit einem bestimmten Verhalten zu antworten. Dies darf jedoch nicht überbewertet werden, diese Fähigkeit ist vielen Organismen, auch Organismen ohne Gehirn, gemein. Leider wird das Vermögen, assoziativ zu lernen, von Tierschützern als Argument verwendet, Fischen ein Bewusstsein zuzusprechen.

Diese Art des Lernens ist aber kein Ausdruck von Bewusstsein. Fundamentale Verhaltensweisen wie Reproduktion, Fressen, Flucht und Abwehr, Reaktionen auf Gefährdungen und auch assoziatives Lernen sind motorische Verhaltensmuster, welche hauptsächlich im Gehirnstamm und im Rückenmark lokalisiert sind. Die Evolution der Fische bezüglich neurologischer Verhaltensmuster hat eine Vielzahl unterschiedlicher hervorragender Anpassungen hervorgebracht, denen jedoch eines gemein ist, nämlich dass die essentiellen Verhaltensmuster durch das Nervensystem unterhalb des Großhirns vermittelt werden. Diese sind vom Bewusstsein unabhängig!

3. Die Antwort auf einen Reiz ist unabhängig von der psychischen Wahrnehmung von Schmerz

Wenn wir die Frage betrachten, ob Fische Schmerz empfinden können oder nicht, müssen wir zuerst klären, was Schmerz ist. WALL (1999) definiert drei wichtige Merkmale des Schmerzes:

1. Schmerz ist eine unangenehme Empfindung und emotionale Erfahrung mit aktueller oder potentieller Schädigung von Geweben.

2. Schmerz ist immer subjektiv.

3. Schmerz kann auch ohne äußeren Stimulus empfunden werden.

Alle mehrzelligen Lebewesen reagieren auf äußere Reize. Bei allen Wirbeltieren einschließlich dem Menschen werden die Reaktionen auf einen schädigenden Reiz durch das Nervensystem im Rückenmark und im Hirnstamm erzeugt. Im Hirnstamm wird daraufhin eine „Antwort“ erzeugt, welche sich z. B. in Flucht oder „Vermeidung“ des Reizes äußern kann. Diese „Antworten“ sind vom Bewusstsein unabhängig. Sie funktionieren auch bei Organismen, die kein Großhirn besitzen.

Das Abwehrverhalten auf einen Reiz erfolgt also unabhängig von der psychologischen Erfahrung eines Schmerzes und auch bei Abwesenheit von Schmerz. Das menschliche Schmerzempfinden hingegen ist ein psychologischer Prozess des Gehirns, der unabhängig von den o. g. Verhaltensmustern stattfindet.

4. Neurophysiologische Differenzen zwischen Mensch und Fisch resultieren aus gravierenden Unterschieden in der Struktur des zentralen Nervensystems

Der Grund für die Annahme, dass Fische Schmerz erfinden, ist die anthropozentrische (den Menschen in den Mittelpunkt stellende) Interpretation der Reaktion von Fischen auf Reize, welche Menschen zweifelsohne Schmerzen bereiten würden. Es gibt jedoch keinen validen wissenschaftlichen Beweis für diese Annahme.

Die bewusste Wahrnehmung von Schmerz beim Menschen ist u. a. von spezifischen Regionen im Gehirn im cerebralen Cortex abhängig. Werden diese Regionen durch Unfälle oder Operationen zerstört, so empfinden betroffene Personen keinen Schmerz. Es besteht eine absolute Abhängigkeit zwischen der Schmerzerfahrung und den Funktionen des Großhirns. Weiterhin sind es eben auch diese Großhirnregionen, die für das Schmerzempfinden verantwortlich sind und auch das Bewusstsein mit bestimmen. Diese Regionen, die notwendig sind, um die Erfahrung des Schmerzes zu machen oder Emotionen wie Furcht zu erleben, fehlen den Fischen. Bei ihnen wird der „Schmerz“-Reiz bis zum Hirnstamm weitergeleitet, löst dort z. B. eine Reaktion aus, hinterlässt jedoch nicht die Erfahrung des Schmerzes. Für Fische ist deshalb die Erfahrung von Emotionen wie Furcht oder Schmerz neurologisch unmöglich, da ihnen die dazu notwendigen Gehirnregionen in Qualität und Quantität fehlen. Die Fluchtreaktion des gehakten Fisches ist exakt dieselbe, die ein Fisch zeigt, wenn er vor einem Fraßfeind oder Schwingungen im Wasser flüchtet. Fische zeigen robuste, angeborene, überlebensnotwendige, aber von Bewusstsein freie, neuroendokrine und physiologische Antworten auf äußere Reize!

5. Fische reagieren auf Reize mit Stressantworten.

Unabhängig von der Unfähigkeit der Fische, Schmerz oder Furcht zu empfinden, sind ihre neurologischen Strukturen so gut entwickelt, dass sie auf „gefährliche“ äußere Reize mit Abwehrreaktionen antworten können. Diese äußern sich jedoch nicht nur in Flucht- oder Abwehrverhalten sondern auch in komplexen kompensatorischen, physiologischen und neurohormonellen Stressantworten (IWAMA 1997). Dazu gehört bei-

spielsweise die Ausschüttung von Cortisol und Catecholaminen, welche dem Organismus bei der Stressbewältigung hilft. Solche Reaktionen erfolgen bei allen Wirbeltieren und auch beim Menschen, sie sind unabhängig vom Bewusstsein. Nichtsdestotrotz ist Stress mit Belastungen für den Organismus verbunden.

Wiederholter, nicht bewältigter Stress führt zwangsläufig zu Krankheiten.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Ich möchte an dieser Stelle nicht noch einmal repetieren, was im o. g. Text mehr oder weniger deutlich ausgeführt wurde. Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem möchte ich den Originalartikel von Herrn Prof. Rose ans Herz legen. Er kann als Kopie bei mir bezogen werden.

Es ist klar, dass ich aus seinem rund 40-seitigen Review nur ausgewählte Aspekte darbringen konnte. Rose widerlegt in seinen Darlegungen auch pseudowissenschaftliche Argumente einiger Tierschützer, die behaupten, dass, aus verschiedenen Gründen, Fische Schmerzen empfinden müssen. Diese Argumentierung habe ich hier nicht ausgeführt. Bei entsprechender Resonanz könnte ich dies jedoch in einem weiteren Beitrag darstellen. Es sollte nach der Lektüre dieses Artikels verständlich geworden sein, dass Fische keine Schmerzen und Leiden empfinden, wohl aber Stress haben können. Angeln und Hältern ist für Fische nicht mit Schmerzen, wohl aber mit Stress verbunden. Dies sollten wir uns immer wieder ins Gewissen rufen. Ein Angler, der den Ehrenkodex des DAV akzeptiert und lebt, wird demzufolge den Stress für unsere Mitkreatur so gering wie möglich halten.

In diesem Sinne Petri Heil

Ihr Dr. Thomas Meinelt

Referent für Umwelt und Gewässer

Referenzen:

Rose, J. D.: The Neurobehavioral Nature of Fishes and the Question of Awareness and Pain.

Reviews in Fisheries Sciences, 10(2002)1:1-38

Spiegel Online: Interview mit Prof. Dr. Robert Arlinghaus

Die Hirnstrukturen für das bewusste Schmerzempfinden fehlen Fischen, sagt Ökologe Robert Arlinghaus. Stress für die Tiere sollte man dennoch vermeiden. Im Interview erklärt Deutschlands erster Angelprofessor, was einen guten Fang ausmacht.

SPIEGEL ONLINE: Haben Fische kein Schmerzempfinden?

Arlinghaus:
Wahrscheinlich nicht. Zumindest keines, das dem entspricht, was wir Menschen unter dem Begriff Schmerz verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung in Ihrer Überblicksstudie?

Arlinghaus: Fischen fehlen die für das bewusste Schmerzempfinden nötigen Hirnstrukturen, der sogenannte Neokortex. Außerdem sind die für das tiefe Schmerzerleben mitverantwortlichen Schadenszeptoren ("C-Nozizeptoren") bei allen Knochenfischen wie Forellen und Karpfen höchst selten, und sie fehlen bei Knorpelfischen wie Haien und Rochen vollständig. Auch zeigen Fische in Versuchen keine oder nur geringfügige Reaktionen auf Einwirkungen, die beim Menschen höchst schmerzhaft wären, und die meisten Schmerzmittel zeigen bei "menschüblichen" Dosen keine Wirkung bei Fischen.

SPIEGEL ONLINE: Eine 20-köpfige Expertenkommission der EU-Kommission kam vor kurzem zum entgegengesetzten Fazit: Es gebe Hinweise auf neuronale Bausteine für das Schmerzempfinden bei Fischen. Fischhirne sind dabei natürlich anders aufgebaut als Menschenhirne, aber sie lernen aus Schmerzen, ähnlich wie es höhere Wirbeltiere auch tun.

Arlinghaus: Hier wird schlicht die Ursache mit der Wirkung verwechselt. Man muss zwischen bewusstem Schmerzempfinden - ein subjektives Gefühlserlebnis - und unbewusst verarbeiteter Nozizeption ohne Schmerzerleben unterscheiden. Knochenfische wie Forellen haben einfache A-Nozizeptoren und können damit thermische und andere Schädigungen der Haut wahrnehmen. Die Reize werden aber höchstwahrscheinlich unbewusst ohne Schmerzerlebnis verarbeitet, führen aber auch zu komplexen Verhaltensreaktionen. Daraus können Fische auch lernen. Mit anderen Worten: Hochkomplexe kognitive Leistungen sind möglich, ohne dass die Fische Schmerzen empfunden haben müssen. Die Nozizeption, die nicht mit dem psychischen Schmerzerleben zu verwechseln ist, macht es möglich.

SPIEGEL ONLINE: Dies Argument wird "No Brain, No Pain" genannt (kein Hirn, kein Schmerz). Aber ist es nicht anmaßend, das Leiden anderer Tiere nur daran zu messen, wie menschenähnlich ihr Nervensystem aufgebaut ist? "Es geht ja nicht darum, ob sich der Schmerz für den Fisch gleich anfühlt wie für uns. Der Fischschmerz ist vermutlich sehr anders, aber das heißt doch eben noch lange nicht, dass er nicht wehtut", wendet der Philosoph Markus Wild im Rahmen einer Schweizer Ethikkommission ein.

Arlinghaus: Wenn wir zunächst die ethische Perspektive außen vor lassen, ist es sicher nicht anmaßend, auf Basis naturwissenschaftlicher Argumente die Frage zu klären, ob ein psychisches Schmerzempfinden mit der aktuellen Faktenlage in den Einklang zu bringen ist oder nicht. Philosophen mögen andere Formen von Schmerz konstruieren oder die Schmerzdefinition verwässern, dadurch wird die Beweisführung nicht einfacher und die Faktenlage nicht besser. Die Realität ist: Wir können Schmerz nicht direkt messen, und die indirekte Beweisführung stützt aus unsere Sicht die Schmerzhypothese nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das bedeutet?

Arlinghaus: Wir sollen ehrlich zu uns sein: Wir wissen gegenwärtig nicht, wie es im Gefühlsleben der Fische aussieht, weil wir Menschen sind und keine Fische. Aber was wir wissen: Fische empfinden wahrscheinlich keinen menschenähnlichen Schmerz oder sie reagieren völlig anders auf Reize, die für die meisten Menschen höchst schmerzhaft wären. Die Schmerzempfindsamkeit in Frage zu stellen, heißt im Umkehrschluss aber nicht, mit Fischen alles zu machen, was gerade in den Sinn kommt.

SPIEGEL ONLINE: Aber Fische zeigen Stressreaktionen, die lassen sich messen.

Arlinghaus: Genau das ist aus wissenschaftlicher Perspektive der richtige Ansatz. Es ist unstrittig, dass Fische auf Einwirkungen und Verletzungen mit einer Stressreaktion reagieren, man kann also davon ausgehen, dass bei wiederholten Stresseinwirkungen ihr Wohlergeben beeinträchtigt ist. Messbar wird das an Einschränkungen des Gesundheitszustands. Anhand objektiver Kriterien wie Stresshormonanstieg oder reduziertem Wachstum können dann auch wissenschaftlich begründete Handlungsweisen identifiziert werden, die den Stress bei Fischen minimieren und damit ihr Wohlergeben maximieren. Impragmatischen Tierschutz gilt der Grundsatz: Gebe Tieren, was sie benötigen und das, was sie wollen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Deutschlands erster und einziger "Angelprofessor" und sind auch privat ein passionierter Angler. Kann es sein, dass das Ihren Blick auf die Leidensfähigkeit von Fischen beeinflusst?

Arlinghaus: Natürlich beeinflusst mein Interessenshintergrund die Wahl meiner Forschungsgegenstände. Gleichsam ist es aber meine Aufgabe als Wissenschaftler, so objektiv wie möglich zu bleiben. Wenn man sich unsere jngste Arbeit zu diesem Thema anschaut, dann haben wir sachlich den Stand des Wissens analysiert. In der genannten Arbeit wird auch kein Lobbyismus betrieben. Auch werden keine normativen Aussagen getätigt, wir sagen also nicht, was richtig oder falsch im Umgang mit Fischen ist. Wir analysieren lediglich, ob die vorliegenden Befunde die Schmerzhypothese stützen oder nicht, und kommen zu dem Ergebnis, dass sie es nicht tun, wenn man Schmerz als das definiert, was wir Menschen unter dem Begriff verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Tierschutz hat nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine ethische Dimension.

Arlinghaus: Selbstverständlich. Trotzdem muss Tierschutz auf einer soliden wissenschaftlichen Basis aufbauen, gerade dann, wenn naturwissenschaftliche Fakten wie die Fähigkeit von Fischen zur Schmerzfähigkeit auch nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz die Strafbarkeit von tierschutzwidrigen Handlungen mitbestimmen. Ich vertrete die Auffassung, dass die Schutzbedürftigkeit von Fischen von ihrer Schmerzempfindsamkeit abgekoppelt ist. Dieser sogenannte pragmatische Fischwohlansatz ist übrigens umfassender als der schmerzzentrierte Ansatz, weil er dazu aufruft, auch Schäden und Stresseinwirkungen, die nichts mit Schmerz zu tun haben, wann immer möglich zu minimieren.

SPIEGEL ONLINE: Finden Sie, dass Fischen generell zulässig ist?

Arlinghaus: Vielleicht unterscheidet sich mein Wertesystem von anderen Autoren auf dem Gebiet des Fischwohls dahingehend, dass mir sowohl das menschliche wie das fischige Wohl am Herzen liegt. Ich halte die meisten menschlichen Nutzungen von Fischen für prinzipiell legitim, solange Stress und Schäden minimiert werden. Mich hat das Gefühl beschlichen, dass viele öffentlich sichtbaren Verfechter der Schmerzhypothese im Deckmantel der Wissenschaftlichkeit im Grunde die Nutzung von Fischen durch den Menschen ablehnen und nach Argumenten streben, die Interaktion von Mensch und Fisch möglich grausam erscheinen zu lassen. Hier geht es um reine Rhetorik und um Macht im sich daran anschließenden politischen Prozess. Auf der versteckten Agenda stehen häufig eine vegane Lebensweise und ein Verbot oder eine starke Einschränkung der Fischerei.

Das Interview führte Hilmar Schmundt

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aktualisiert am 05.11..2018

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